Mentoring für IT-Studentinnen – Ein Erfahrungsbericht

Als die Saxonia Systems den Gedanken an mich herantrug, eine junge Informatikstudentin der HTW Berlin für ein Studienjahr als Mentorin bei ihrer persönlichen Entwicklung zu begleiten, zögerte ich zuerst, weil sich mir viele Fragen stellten:

  • Was macht eigentlich eine Mentorin und warum ist das gut?

  • Welche Kompetenzen und Eigenschaften braucht eine Mentorin und verfüge ich selbst darüber?

  • Was wird von mir erwartet und kann ich die Erwartungen erfüllen?

Der beste Weg, mir diese Fragen zu beantworten, war, das Angebot und die Herausforderung anzunehmen und am ProfIT Mentoring Programm der HTW Berlin teilzunehmen. Meine Erlebnisse habe ich in diesem Erfahrungsbericht zusammengefasst.

Mentoring für IT-Studentinnen mit ProfIT

ProfIT richtet sich an Studentinnen der Informatik der HTW Berlin und dient zur Unterstützung des erfolgreichen Berufseinstiegs und zur Frauenförderung in der IT. Das Programm findet jährlich statt und vermittelt ca. 20 Studentinnen der Informatik für zwei Semester eine erfahrene Mentorin aus der Praxis. Die Mentorinnen kommen aus allen Bereichen der Informatik und verfügen i.d.R. über mindestens fünf Jahre Berufserfahrung.

Die Gestaltung der Mentoring-Partnerschaft ist dabei sehr individuell, wird aber durch ein Rahmenprogramm begleitet. Dazu zählen Workshops und thematische Veranstaltungen wie der Einführungs- und Abschlussworkshop, Veranstaltungen zum Thema “Frauen in der Informatik”, Stammtische für Mentees und Mentorinnen und mehr.

Auftakt

Den Auftakt des Mentoring-Programms machte die Einführungsveranstaltung am 10. Oktober 2017 auf dem Campus der HTW Berlin. Bei der Veranstaltung trafen die Studentinnen, die sich für die Teilnahme am Programm entschieden hatten, erstmalig auf uns Mentorinnen. Ziel des Abends war die Tandembildung – also die Gründungen der Mentoring-Partnerschaften. Zu Beginn der Veranstaltung hielt Viola Klein, Aufsichtsrätin der Saxonia Systems, als Gastrednerin eine inspirierende Rede. Damit stimmte sie alle Teilnehmenden auf ein konstruktives und herzliches Miteinander ein und gab den Auftakt für das anschließende Kennenlernen sowie das Schmieden der Tandems.

“Tandem schmieden” bedeutet, dass zu jeweils einer Studentin eine Mentorin zugeordnet wird. Diese Zuordnung findet bei ProfIT im Rahmen des Matching-Verfahrens statt. Auf Grundlage des ersten unverbindlichen Kennenlernens können Mentee und Mentorin erkennen, ob sie persönlich zueinander passen und sich anschließend frei für eine Kooperation entscheiden.

So folgte nach der Kennenlernrunde dann die Self-Selection, d.h. die Mentees wählten, mit welcher Mentorin sie das Tandem bilden wollten und sich die Zusammenarbeit in der kommenden Zeit vorstellen konnten. Waren beide mit der Kooperation einverstanden, war das Tandem gebildet und der Grundstein für die nächste Zeit gelegt. Ein aufregendes Mentoring-Jahr konnte also beginnen.

Erster Meilenstein – Einführungsworkshop

Ein erster Meilenstein für alle Tandems war der Einführungsworkshop. Er war darauf ausgelegt, dass Mentees und Mentorinnen sich ihre Rollen und Aufgaben im Mentoring erarbeiten, um so die Basis für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit im Tandem zu legen. Darauf folgte dann die eigentliche und ganz individuelle Zusammenarbeit.

Das erste gemeinsame Treffen und die Zeit im Tandem

Nach dem Workshop verabredeten meine Mentee und ich ein erstes gemeinsames Treffen. Hier lernten wir uns erst noch einmal richtig kennen und tauschten uns über die Eindrücke aus, die wir bei den Einführungsveranstaltungen gewonnen hatten. Hier verständigten wir uns auch darüber, was wir erwarteten, welche Themen für unser Tandem von Bedeutung waren und zu welchen Fragestellungen wir gemeinsam Antworten finden wollten.

Auf dieses Treffen folgten dann in den nächsten Monaten regelmäßig weitere. Über die Zeit veränderten sich die Themen und der Fokus richtete sich auf ganz andere Dinge, als wir sie ursprünglich identifiziert hatten. Aber das war in Ordnung. Wichtig war uns die Regelmäßigkeit, dass wir den Kontakt pflegten und dass ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen uns bestand. Und das haben wir geschafft. Allmählich lernten wir uns immer besser kennen und schätzen und ganz nebenbei lernten wir auch einige interessante neue Orte in Berlin kennen, die wir für unsere Treffen auswählten.

Zweiter Meilenstein – Halbzeit: “Zwischenfazit”

Auf diesem Weg des Kennenlernens begleitete uns auch das übergeordnete Rahmenprogramm von ProfIT. Es boten sich mehrere Gelegenheiten, sich auch mit den anderen Tandems zu treffen und auszutauschen – wie zum Beispiel bei dem Event “Zwischenfazit”, das ein wichtiger Bestandteil des Mentoring-Programms ist. Ähnlich wie bei dem Einführungsworkshop finden hier alle Tandems bei einem Treffen zusammen. Die Veranstaltung bietet allen Teilnehmenden Raum für Reflexion und neue Ideen. Mit diesem Termin war die Halbzeit erreicht und meine Mentee und ich konnten uns darüber freuen, diese Etappe zusammen zurückgelegt zu haben. Wir nutzten die Gelegenheit, um kurz innezuhalten, unsere Rollen und Aufgaben zu überprüfen und gegebenenfalls Anpassungen vorzunehmen.

Die zweite Halbzeit

Für die zweite Halbzeit hatten wir noch einige Pläne, wie zum Beispiel gemeinsam bei Meetups oder Usergroup Treffen oder ähnlichen Veranstaltungen teilzunehmen. Weil unsere beiden Alltage aber schon gut ausgefüllt waren, ließen sich gemeinsame Termine nur schwer finden und die Abstände zwischen unseren Treffen wurden länger. Davon ließen wir uns aber nicht irritieren und versuchten dann, die Treffen so intensiv wie möglich zu nutzen. Es war auch eine wertvolle Erfahrung zu merken, dass trotz der längeren Zeitabstände und Schwierigkeiten bei der Terminfindung unser Tandem gut funktionierte und zusammenhielt.

Finaler Meilenstein – Abschlussfeier

Alles geht einmal zu Ende – so auch meine Zeit als Mentorin. Zum Abschluss waren wieder alle Teilnehmer des Programms eingeladen, um das erfolgreiche Absolvieren des Mentoring-Jahres zu feiern und den Berliner Freiwilligenpass ausgehändigt zu bekommen. Bei diesem Event, das am 4. Juli 2018 auf dem Campus der HTW Berlin stattfand, stand wieder im Fokus, die Zeit im Tandem zu reflektieren. Es war eine schöne Auswertung des Erlebten und gab uns noch einmal die Möglichkeit, uns unsere gegenseitige Wertschätzung zum Ausdruck zu bringen. Ein bisschen traurig waren wir dann aber doch darüber, dass das Programm mit diesem Abend vorbei war. Doch für meine Tandempartnerin und mich stand fest, dass wir den Kontakt auch darüber hinaus halten wollen.

Eine Impression der Abschlussveranstaltung – ein erfolgreiches Mentoring-Jahr liegt hinter uns.

Fazit zum Erfahrungsbericht

Das war nun mein Jahr als Mentorin. Aber waren damit auch meine Fragen beantwortet? Ja! Und nicht nur das – ich habe auch Antworten auf Fragen erhalten, die ich mir zuvor noch gar nicht gestellt hatte:

Was macht eigentlich eine Mentorin? Was wird von einer Mentorin erwartet?

  • Mentoring beinhaltet: beraten, teilhaben und teilhaben lassen, bestärken und ermutigen, Feedback geben, netzwerken, Wissen vermitteln über Strukturen und Spielregeln in der Berufswelt

  • Rollen und Aufgaben einer Mentorin: Unterstützerin, Übungspartnerin, Ratgeberin, Karriereberaterin und Türöffnerin sein

  • Ziel und Erwartung: es finden regelmäßiger Kontakt und Austausch statt

Warum ist das gut? Wozu dient Mentoring?

Mentoring ist ein wechselseitiger Prozess von Geben und Nehmen. Im Mittelpunkt des Prozesses steht der Lern- und Entwicklungsprozess der Mentee – aber auch die Mentorin kann für ihre persönliche und berufliche Entwicklung lernen.

Welche Kompetenzen und Eigenschaften braucht eine Mentorin?

  • Voraussetzungen für ein erfolgreiches Mentoring sind: Freiwilligkeit, gegenseitiges Wohlwollen, Respekt und Vertrauen

  • Eigenschaften und Kompetenzen: zuhören und Fragen stellen, bestätigen und ermutigen, beraten und beistehen, konfrontieren und Feedback geben können

Für die Zeit als Mentorin bin ich sehr dankbar und für mich steht fest, dass ich mich auch zukünftig an einem solchen Programm beteiligen werde, wenn sich mir die Gelegenheit bietet. Ganz ohne zu zögern. Denn es hat Freude gemacht, mein Wissen und meine Erfahrungen weiterzugeben und dabei auch meine bisherige berufliche Laufbahn zu reflektieren. Auch für das Feedback, das ich von meiner Mentee bekommen habe, bin ich sehr dankbar. Es hat mir das gute Gefühl gegeben, ihr in der Zeit eine gute Ansprechpartnerin für ihre individuellen Fragestellungen gewesen zu sein.

Maria Bär

Maria Bär ist Diplom-Medieninformatikerin und arbeitet seit 2013 bei der Saxonia Systems AG. Als Softwaretesterin verstärkt sie den Testbereich der Saxonia und hat bereits in klassischen und agilen Projekten verschiedener Domänen Software getestet. Auch im Bereich Anforderungsmanagement und agilem Projektmanagement hat sie bereits Erfahrungen gesammelt. Neben ihrer Haupttätigkeit setzt sich Maria für die Nachwuchsförderung bei Saxonia und allgemein für die Frauenförderung in der IT ein.

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